Wie steht es eigentlich um die Piraten?

Ein zwei jähriger Prozess ging zu Ende

Es war beinahe ein Trend in den letzten Jahren. An vielen Orten waren Piraten zu sehen. Zum einen in der politischen Landschaft. In Talkshows war sie häufig vertreten und es schien fast so, als wäre die Partei das Zündlein an der Waage, wenn es um Mehrheitsverhältnisse ging.

Die Euphorie ist aber der Ernüchterung gewichen, da sich die Partei beinah selbst erledigt hat und mittlerweile nur noch eine kleine Rolle in der Politik spielt. Zum anderen konnte man Piraten auf der hohen See betrachten. Vor allem vor der Küste von Somalia gab es viele.

Und während die einen Piraten gingen, mussten die anderen bleiben. Letztere allerdings nicht freiwillig.
In einem Aufsehen erregenden und aufwendigen Prozess, sei das Gericht der Überzeugung, dass deutsche Gesetze angewendet werden müssen. Denn die Taipan, jenes Schiff, um das es in diesem Prozess ging, ist unter deutscher Flagge gefahren. Aber was war eigentlich geschehen?

Die niederländische Marine sorgte für klare Verhältnisse

Vor der somalischen Küste wurde zu Beginn des Monats April im Jahre 2010 ein deutscher Frachter von Piraten gekapert. Das war der Frachter Taipan. Dabei bestanden die Piraten auf ein nicht unerhebliches Lösegeld von vier Millionen Euro.

skylineIm Zuge der Entführung wurden zwei Deutsche verletzt. Letztlich gelang es der niederländischen Marine, die Piraten festzunehmen und die Ordnung an Bord wieder herzustellen. Aufgrund dieser Umstände wurden nun die Verdächtigen vor dem Hamburger Landgericht verurteilt. Mit dabei natürlich ein Rechtsanwalt aus Hamburg. Was aber machte dieser Rechtsanwalt Hamburg vor dem Landgericht?

Der Verteidiger hatte die schwierige Aufgabe Männer aus einer der ärmsten Regionen der Welt, viele Kilometer von zu Hause entfernt zu verteidigen. Dabei gingen sie, wenig überraschend, auf die Umstände ein, die die Verdächtigen zum einen zu dieser Tat bewogen haben sollen und zum anderen, die kulturellen Gegebenheiten, mit denen die Männer sich während der Untersuchungshaft vertraut machen mussten.

Staatsanwaltschaft forderte längere Haftstrafen

All das hat aber nichts geholfen. Die Richter verhängten mehrjährige Haftstrafen, wobei sie immer noch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft blieben. Diese hatte zuweilen bis zu zwölf Jahre gefordert, für die Verdächtigen, die wegen Gefährdung des Seeverkehrs und erpresserischem Menschenraub angeklagt wurden.
Das Verfahren an sich war kein Leichtes. So wurde die Beweisaufnahme mehrere Male für abgeschlossen erklärt, bis sie es dann tatsächlich war. Darüber hinaus mussten Dolmetscher geholt werden, damit die Verdächtigen zuhören konnten. Gleiches galt natürlich auch für die Juristen und Schöffen.

Teures Verfahren

Am Ende aber war die Beweislast eindeutig und das Gericht sah den Abschluss des Verfahrens als Erfolg an, obwohl es viele Kosten verursacht hat und sich über einen Zeitraum von zwei Jahren hinzog.
Ob das Urteil aber eine abschreckende Wirkung hat, ist nicht deutlich.
Denn dazu muss sich die Nachricht erst einmal bis nach Somalia herumsprechen, und da in dem Land ein Ausnahmezustand herrscht, wo sich viele selbst die Nächsten sind, darf bezweifelt werden, dass Piraten nun andere Wege suchen, um an Geld zu kommen. Eines aber steht fest, die jüngeren Angeklagten, die bereits eine Zeit hinter Gittern verbracht haben, durften nach der Urteilsverkündung wieder auf freien Fuß.

Quelle: mw-legal.de