Muss Mehrarbeit vergütet werden?

Muss Mehrarbeit vergütet werden?

Überstunden gehören in vielen Branchen zum „guten Ton“. Und Arbeitnehmer sind in den meisten Fällen auch gewillt, diese zu leisten. Wirken sie sich doch positiv auf den Eindruck aus, da der Arbeitnehmer Leistungsbereitschaft signalisiert. In der Regel, so wird angenommen, werden diese auch vergütet. Es gibt aber auch Fälle, in denen keine Vergütung erfolgt.

Dieser Fall ergibt sich oft, wenn der Arbeitgeber der Überzeugung ist, dass eine Mehrarbeit nicht nötig gewesen wäre.
Im geschilderten Fall kommt es darauf an, ob die Überstunden vom Arbeitgeber angeordnet wurden, oder ob sie vom Arbeitnehmer heraus getätigt wurden. Etwa, um eine Aufgabe abzuschließen, aus gutem Willen oder um andere Arbeitsabläufe nicht zu stören. In beiden letzten Fällen müssen Arbeitgeber die mehr geleistete Arbeit nicht vergüten. Wenn Überstunden aber angeordnet wurden, dann muss der Arbeitgeber sie vergüten.

Beweis muss vom Beschäftigten kommen

Schwierig gestaltet sich im Streitfall, der zu erbringende Beweis, dass die Überstunden angeordnet wurden. In der Praxis wird meistens nicht schriftlich festgehalten, dass eine Mehrarbeit angeordnet wurde. Kann der Beweis nicht erbracht werden, stehen die Chancen schlecht, dass vor Gericht der Arbeitnehmer Recht bekommt. Aber nicht nur diesen Beweis muss der Arbeitnehmer erbringen. Auch die Protokollierung der Tätigkeit liegt am Arbeitnehmer.
Aus diesen Gründen sollte der Arbeitnehmer vorab den Arbeitgeber über die Gründe für die Überstunden und die Tätigkeiten, die während der Überstunden verrichtet werden sollen, informieren. Welchen Kommunikationskanal der Arbeitnehmer dafür nutzt ist in der Regel irrelevant. Im Detail richtet sich die Wahl aber nach der Möglichkeit, dass der Arbeitgeber auf die Mitteilung reagieren kann, um ihr gegebenenfalls zu widersprechen oder ihrstattzu geben. Zum Beispiel sollte eine E-Mail am Abend vorher geschrieben werden, wenn die Überstunden am Abend des folgenden Tages verrichtet werden sollen.

Arbeitgeber muss widersprechen können

Bei einer SMS verhält es sich anders. Schließlich erscheinen diese auf dem Mobiltelefon des Arbeitnehmers direkt, während die Überprüfung einer Mail oftmals zwei Mal am Tag geschieht.

Zusammengefasst:

Überstunden sind wahrscheinlich schon mal in jedem Betrieb vorgekommen. Oft gibt es auch keine Probleme bei der Vergütung, es kann aber dennoch dazu kommen. Wenn der Arbeitgeber der Meinung ist, dass die Überstunden nicht sein mussten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeitnehmer die Mehrarbeit geleistet hat, aus eigenem Interesse, um keine Arbeit sozusagen „liegen zu lassen“. Wenn der Arbeitgeber diese Überstunden auch nicht angeordnet hat, dann müssen sie auch in der Tat nicht vergütet werden.

Wenn er die Mehrarbeit verordnet hat, dann liegt es im Streitfall immer noch am Beschäftigten den Beweis für die Anordnung zu bringen. Da sich das in der Praxis aber selten ergibt, sollte der Arbeitnehmer den Arbeitgeber über das Vorhaben der Mehrarbeit informieren, damit letzer Widerspruch einlegen kann. Dabei ist drauf zu achten, dass die Botschaft früh den Arbeitgeber erreicht. Folglich ist die Wahl des Kommunikationsmittels wichtig und eine willkürliche Wahl vom Arbeitnehmer kann negative Folgen für diesen haben.